Warum bestehen die einen und die anderen nicht? Ist das Beraterexamen ungerecht?

Kürzlich habe ich mich mit einer Bekannten getroffen, die mit mir im letzten Jahr den Präsenzkurs absolvierte. Von ihr erfuhr ich, wer von uns bestanden hat und wer nicht.

Bei manchen war es klar, dass sie bestanden hatten. Sie waren schon immer im Kurs sehr gut und wussten meist auf auch noch so komplizierte Fragen eine Antwort. Bei anderen fragt man sich aber, wie konnten die nur bestehen? Eine kleine Analyse…

Da war die Buchhaltungsmaus, Karotte und Minisalami knabbernd. Wir bekamen Vorträge darüber, wie ungesund doch böse Kohlenhydrate sind und Zucker uns am Lernen hindert. Breiter Kurpfälzer Dialekt, erste Reihe, immer im Kontakt mit dem Dozenten.  Sie wusste immer alles besser und einige von uns waren nah dran, einen roten Ziegelstein nach ihr zu werfen. Ich hätte nie gedacht, dass sie besteht. Sie war nicht schlau, aber engagiert. Sie wollte unbedingt bestehen und hat es durchgezogen. Das Lohnsteuerthema war wohl ihr Volltreffer.

Monsieur Chic. Er war stets gelangweilt und genervt. Daddelte viel auf seinem Handy, fehlte oft und ging gern früher. Den Klausurenpräsenzkurs wollte er besuchen, hat es aber dann doch nicht getan. Er sonderte sich ab und war nicht wirklich dabei. Er bestand, wohl auch noch ziemlich gut. Ich tippe auf Endspurtprofi. Ich vermute, dass er zu denen gehört, der in den letzten 6 Wochen vor dem Steuerberaterexamen alles gegeben hat. Und es hat funktioniert.

Die Sonnyboys. Sie waren eine starke Truppe, sie haben zusammen gelernt, waren smart, eloquent und einfach immer gut drauf. Sie haben im Kurs einen fitten Eindruck gemacht. Alle. Aber nicht alle haben bestanden. Sie gingen sogar zusammen vor dem Examen in Extremklausur. Aber warum besteht der eine und der andere nicht? Hierauf habe ich keine Antwort. Ich weiß es definitiv nicht. Vielleicht will es der Zufall, dass einer von ihnen diesen Blog besucht und sich wieder erkennt. Vielleicht hat er eine Antwort darauf.

Das fleißige Lieschen. Eigentlich war es klar. Sie musste bestehen. Zurückhaltend, stetiges Understatement, supernett und manchmal auch ein wenig frech. Eine die man gerne als Kollegin hat. Sie war klar im Denken, toptoptop organisiert und strukturiert. Von ihrer Arbeitsweise her, wäre ich gerne wie sie. Ich glaube, sie wird mein Vorbild. Ihre Note auch.

Der Egoist. Ob er tatsächlich bestanden hat, weiß ich nicht. Er teilte nicht, gab keine Unterlagen raus, suchte den Vorteil, aber gab nichts zurück. Ein fürchterlicher Spießer. Ich befürchte, dass es diese Art von Examenskandidaten überall gibt. Ich wünsche euch ein schlechtes Karma. Eine Wiedergeburt als Regenwurm.

Die Sportlerin. Oh, ich mochte sie. Sie war so was von kollegial. Suchte den Kontakt zu allen. Sie hörte gern zu, war mit hilfreichen Ratschlägen stets zur Seite. Und sie war fit. Sie war fleißig, konsequent und wahrlich nicht dumm. Sie war zwar zwischendurch öfter mal krank, aber das waren wir doch alle irgendwie. Ich weiß nicht, warum sie es nicht geschafft hat. Ich möchte selbst nochmal mit ihr sprechen. Aber ich vermute, es war eine Mischung aus Nervosität und zu viel Druck, den sie sich selbst aufgebaut hat. Am Können und Wissen kann es nämlich nicht liegen. Da bin ich mir sicher.

Die „Das wird mein Jahr“-Kandidatin. Sie wollte, dass es ihr Jahr wird. Im Kurs war sie regelmäßig, Fernklausurenkurse absolvierte sie, sie lernte in der Freistellung fleißig. Aber es reichte nicht. Ich glaube, ihr fehlte der letzte Biss. Sie schrieb lange, lange die Klausuren über weit mehr als 6 Stunden. Das ist auch okay, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Aber vielleicht analysiert sie sich anders. Ich hoffe, ich kann noch mit ihr sprechen.

Wir waren ein Kurs von um die 50 Leute. Ich kann nicht alle unter die Lupe nehmen. Ich würde mich freuen, wenn sich der ein oder andere finden würde, der uns an seiner Selbstanalyse teilhaben lässt. Gerne auch die, die bereits bestanden haben.

Einen sonnigen Tag für euch….

 

 

1 thought on “Warum bestehen die einen und die anderen nicht? Ist das Beraterexamen ungerecht?

  1. Vergiss nicht den Quatscher. Hat gerne geredet und gerade zu Beginn jeder neuen Session dumme Fragen gestellt, die klar erkennen lassen, dass er nicht aus der Steuerberatung kommt, sondern vermutlich nur (im Sinne von ausschließlich) WP gemacht hat. Wurde dann zunehmend besser und hat manchmal Zusammenhänge gesehen, die uns gar nicht aufgefallen sind. Aber für ihn hat es nicht gereicht, was auch von Anfang an klar war.

    Und die Wiederholer, die sich schnell zusammen gefunden haben. Zu jedem neuen Thema wusste man bereits, wo es hingeht und hat sich deshalb häufig Veranstaltungen geschenkt. Eine gute Idee? Da bin ich mir nicht sicher.

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